Der Baroudeur - Der Ausreisser

Ein ganz besonderer Strassenrennfahrertyp

 

Eigentlich würde man Baroudeur mit "Kämpfernatur" oder "Alter Haudegen" übersetzen. Im Strassenradrennsport versteht man darunter einen Fahrer, der häufig attackiert und versucht aus dem Feld auszureissen. Dabei nimmt er in Kauf, oft grosse Strecken (100-200 Kilometer) alleine oder in einer kleinen Gruppe vor dem Hauptfeld herzufahren, im Wind zu stehen, viel Kraft aufzuwenden um am Ende wenige Kilometer vor dem Ziel eingeholt bzw. locker überholt zu werden. Er kommt dann oft abgeschlagen und ausgepumpt mit einigen Minuten Rückstand auf den Sieger ins Ziel. Ausdauer, Mut, Kraft und unbändiger Wille haben dann oft zu keinem positiven Ergebnis geführt.

Tatsächlich kommen Ausreisser im modernen Radsport nur ganz selten als Erste ins Ziel. Durch die moderne Kommunikationstechnik innerhalb der Teams ist die Chance für Baroudeure einfach recht gering. Das Hauptfeld kann den Abstand leicht kontrollieren.

Wenn doch die Chancen auf den Sieg so gering sind, warum gibt es dann praktisch in jedem Rennen Baroundeure? Ist einfach ein Teil der Rennfahrer masochistisch veranlagt?

Nein, es gibt doch einige vernünftige Gründe einfach loszufahren, einfach auszureissen:

a) Das Ausreissen gibt dem Fahrer Moral für die weiteren Renntage, er ist nicht einer unter vielen, der im Feld unerkannt rumfährt, sondern er zeigt sich.

b) Der Baroudeur hofft darauf, die Etappe zu gewinnen, auch wenn die Chancen gering sind. Als ein eher sprintschwacher Fahrer ist es seine einzige Möglichkeit. Besser eine kleine Chance, als gar keine. Er kann gewinnen, wenn sich das Feld verrechnet, etwa durch mannschaftstaktische Spielchen (keine Sprintermannschaft will die Nachführarbeit alleine machen und ihre Chancen im Sprint schmälern), oder aufgehalten wird, etwa durch einen Sturz oder Defekte (das Feld wartet dann vielleicht auf abgeschlagene Teamkapitäne bzw. Rundfahrtfavoriten).

c) Es gibt einen kleinen Preis - etwas für den kämpferischsten Fahrer - zu gewinnen. Weiterhin sind oft Punkte für die Sprint- oder Bergwertung zu sammeln und es gibt kleinere Geldbeträge oder Sachpreise für Zwischenwertungen. Etwas für die Mannschaftskasse beizutragen, kann durchaus Anreiz sein.

d) Der Ausreisser erfüllt damit eine Mannschaftsaufgabe, etwa indem er sein Team damit von der Führungsarbeit im Feld befreit. Ein Sprinterteam kann damit Kraft für den eigentlichen Sprinterzug sparen.

e) Der Baroudeur präsentiert seine Mannschaft und damit auch deren Sponsoren einer grossen Öffentlichkeit, z.B. bei Fernsehübertragungen. Er liefert vielleicht damit auch Argumente für neue Sponsorenverträge.

f) Die Rennleitung ist über die Ausreissversuche erfreut, da das Rennen interessanter wird und das Feld nicht bummeln kann. Damit könnte eine Einladung für seine Mannschaft bei der nächsten Austragung des Rennens - oder eines Rennes das vom gleichen Veranstalter organisiert wird - wahrscheinlicher werden. Für Teams, die weder einen sehr guten Sprinter noch einen hervorragenden Klassementfahrer in ihren Reihen haben, gibt es oft gar keine Alternative Rennen zu gewinnen oder zumindest Aufmerksamkeit zu erregen.

Die grossen, erfolgreichen Baroudeure der Renngeschichte waren u.a. Fausto Coppi, Eddy Merckx und Bernard Hinault. In jüngerer Zeit konnten eher gescheiterte Helden die Aufmerksamkeit erwecken, wir denken da etwa an Jens Voigt, Jacky Durand, Christophe Riblon, Stephane Auge oder Thomas Vöckler.

In Zukunft könnte eine Regeländerung (Spechfunkverbot) die Siegchancen der Ausreisser wieder verbessern.

 

 

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Fahrertypen

Der Baroudeur
Der Hinterradlutscher

Fahrerportraits

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Valdimir Gusev

Vladimir Gusev hat doch schon einige Male sein Glück beim "Ausreissen" versucht. Nicht immer mit Erfolg!

 

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