Giro d'Italia

Die Etappe zu Ehren von Wouter Weylandt

 

Im Vorfeld des Giro d’Italia 2011 hatten Experten auf der 4. Etappe von Quarto die Mille nach Livorno mit einem Massensprint gerechnet. Einer Ankunft, bei der auch der Belgier Wouter Weylandt mitsprinten würde. Vielleicht könnte er sogar gewinnen, wie fast genau vor einen Jahr, als er bei der 3. Etappe des Giro von Amsterdam nach Middelburg nach einem schweren, gefährlichen Rennen erfolgreich war.

Auf der dritten Etappe des Giro d'Italia 2011 von Reggio Emilia nach Rapallo fährt Wouter Weylandt 25 km vor dem Ziel alleine zwischen zwei Gruppen von Rennfahrern mit etwa 70 km/h die letzte Abfahrt des Tages herunter.

Die äusseren Bedingungen sind einwandfrei. Die Strasse ist breit und hat einen guten Belag. Die anzusteuernde Kurve ist eher unscheinbar. Es ist sonnig und windstill.

Wahrscheinlich sieht Wouter Weylandt die vor ihm fahrende Gruppe nicht mehr. Er dreht sich wohl, um den Abstand zur hinteren Gruppe einschätzen zu können, kurz um. Dabei berührt sein Vorderrad oder sein Pedal eine kleine Steinmauer auf der linken Strassenseite. Er wird ausgehoben, rund 20 m durch die Luft katapultiert und schlägt mit dem Gesicht voran auf der Strasse auf.

Wouter Weylandt bleibt bewusstlos und blutüberströmt liegen. Die Rennärzte sind schnell bei ihm. Obwohl sie 40 Minuten um sein Leben kämpfen, stirbt der Belgier noch an der Unglücksstelle. Er hat beim Sturz u.a. einen Schädelbasisbruch erlitten.

Kurze Zeit wird ein Abbruch des Giro d'Italia erwogen. Die meisten Fahrer und Teamleiter sind aber der Meinung, dass gerade auch Wouter Weylandt, der seinen Job und seinen Sport geliebt hat, die Rennfortsetzung gewollt hätte.

Rennleitung und Teamchefs verständigen sich darauf eine neutralisierte Etappe zu fahren. Es wird für den vierten Teilabschnitt der Rundfahrt der gleiche Ablauf wie 1995 bei der Tour des France gewählt. Damals war der italienische Olympiasieger Fabio Casartelli bei der Abfahrt vom Portet d'Aspet fast auf die gleiche Weise ums Leben gekommen.

Beim Start wird eine Gedenkminuten eingehalten und die Fahrer treten mit Trauerflor an.

Zwischen den Teams wird dann ein Renntempo von etwa 35 km/h vereinbart. Jede Mannschaft, ausser Leopard-Trek, übernimmt für 10 km die Führungsarbeit. Während die Teams an der Spitze des Feldes in Zweierreihe oder im Belgischen Kreisel fahren, nehmen auch die Zuschauer am Rande der Strecke in vielfältiger Weise Abschied von Wouter Weylandt. So wird tausendfach seine Startnummer - 108 -gezeigt, auf den Strassen und auf Plakaten finden sich viele Trauerbeschriftungen und in den Durchfahrtsorten läuten die Kirchenglocken.

3 km vor dem Ziel in Livorna setzen sich die acht Fahrer seines Teams und Tyler Farrar, der beste Freund des Verstorbenen, an die Spitze des Feldes. Unter ihnen auch Fabian Wegmann, der bei diesem Giro das Hotelzimmer mit Wouter Weylandt geteilt hat.

Die neun Rennfahrer überqueren gemeinsam die Ziellinie. Das Fahrerfeld, angeführt von David Millar im Rosa Trikot, folgt mit etwa 50 Metern Abstand.

Selbstverständlich gibt es auf dieser Etappe keinerlei Wertung und alle ausgelobten Prämien gehen an die Familie des Toten.

Tyler Farrar und alle Fahrer des Teams Leopard-Trek werden die Rundfahrt noch an diesen Abend verlassen.

Wouter Weylandt, der für diesen Giro d'Italia eigentlich gar nicht vorgesehen war und nur für den verletzten Daniele Bennati einsprang, wird nur 26 Jahre alt.

Vielfach hatten es die Fans bei dieser bewegenden, sechsstündigen Etappe mit weisser Farbe auf die Strassen geschrieben:

Ciao Wouter

 

 

 

Der 94. Giro d'Italia 2011:

Rennverlauf:

Etappe 1-3
Etappe 4-6
Etappe 7-9
Etappe 10-12
Etappe 13-15
Etappe 16-18
Etappe 19-21
Gedenketappe für Wouter Weylandt

Etappenübersicht - Platz 1-3

Endergebnis

Besondere Leistung: Sebastian Lang


 

Giro d'Italia

 

Der 93. Giro d'Italia 2010:

Rennverlauf:

Etappe 1-3
Etappe 4-6
Etappe 7-9
Etappe 10-12
Etappe 13-15
Etappe 16-18
Etappe 19-21

Etappenübersicht - Platz 1-3

Endergebnis