Das Gruppetto - le Autobus

Eine Gruppe von abgeschlagenen Fahrern bilden das Gruppetto

 

Weit abgeschlagene Profi-Rennradfahrer steigen bei Eintagesrennen meist aus, bzw. in den Besenwagen ein. D.h.sie beenden das Rennen, da es für sie ohnehin nichts mehr zu gewinnen oder zu helfen gibt.

Bei Etappenrennen liegt der Fall anders. Hier möchte der Fahrer im Rennen bleiben. Er kann zwar in der Gesamtwertung keine gute Platzierung mehr erringen, aber vielleicht doch eine spätere Etappe gewinnen, sich Chancen in einer Sonderwertung ausrechnen, oder zumindest sein Team bzw. seinem Kapitän bei dessen Zielen unterstützen.

Ab dem Überschreiten eines gewissen Zeitrückstandes auf den Etappensieger droht dem Fahrer aber die Disqualifikation. Das Reglement jedes Rennens bestimmt eine gewisse Karenzzeit. Innerhalb dieses Zeitlimits ist das Ziel zu erreichen.

Diese Karenzzeit wird festgelegt, indem die Siegerzeit mit einem Koeffizienten multipliziert wird. Dieser ist abhängig von der Schwierigkeit, den Wetterbedingungen und der Länge der Etappe. Über den Daumen geschätzt kann man zwischen 9-15 Prozent über der Zeit des Etappensiegers zu spät kommen, meist zwischen 30 und 45 Minuten.

Für einzelne Fahrer - also ohne Begleiter - ist es nicht einfach, unterhalb dieser Höchstzeit zu bleiben. Es bildet sich daher bei schweren Etappen (etwas Bergetappen) gegen Ende des Rennens eine Gruppe von abgeschlagenen Fahrern, das Gruppetto (ital. für ‚Grüppchen‘). Im französichen Sprachraum wird es auch l'Autobus und im englischen Spachraum als Laughing Group bezeichnet. Meist stellen die Sprinter den grössten Teil dieser Gruppe. Dazu kommen Fahrer, die ihre Mannschaftsaufgaben des Tages schon erledigt haben, Sturzopfer und Fahrer die einfach einen schlechten Tag hinnehmen mussten oder einen technischen Defekt hatten.

Das Gruppetto wird dann oft von einen erfahrenen Profi mit entspechendem Zeitgefühl "dirigiert". Z.B. hat bei der Tour de France manchmal Eric Zabel diese Aufgabe übernommen. Im Gruppetto herrscht normalerweise eine teamübergreifende Solidarität. Es wird auf die Schwächsten Rücksicht genommen, die Stärksten fahren im Wind, Getränke und Verpflegung werden geteilt. Alle haben eben ein gemeinsames Ziel. Wird diese verfehlt, die Karenzeit also überschritten, so liegt es im Ermessensspielraum der Jury, die Fahrer aus dem Rennen zu nehmen, oder am nächsten Tag doch weiterfahren zu lassen.

Je mehr Fahrer sich im Gruppetto befinden und je grösser deren Anstrengung in der Zeit zu bleiben war, desto wahrscheinlicher ist die Nichtdisqualifikation. Die Jury kann dann aber - da Zeitstrafen natürlich sinnlos sind - Punktabzug bei Sonderwertungen (etwa der Sprintwertung) vornehmen.

 

 

 

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Disziplinen und Begriffe

Das Einzelzeitfahren

Das Mannschaftszeitfahren

Das Grupetto

Der Besenwagen

Die Einschreibkontrolle

 

Murilio Fischer

Ein Sprinter und Helfer wie Murilio Fischer kommt schon öfter im Gruppetto ins Ziel.