Tour de France

Rennbericht der 97. Tour de France - 2010

 

Das Gelbe Trikot

Der Spanier Alberto Contador (Team AST) gewinnt die 97. Tour de France mit einem Vorsprung von 39 Sekunden vor dem Luxemburger Andy Schleck (Team SAX) und einem Vorsprung von 2 Minuten 1 Sekunde vor dem Russen Denis Menchov (Team RAB). Er feiert damit nach 2007 und 2009 seinen dritten Erfolg bei der Grossen Schleife.

Vor dem Rennen wurde eine ganze Reihe von Fahrern genannt, die den Titelverteidiger angreifen könnten. Die Favoritengruppe lichtete sich aber schon bald. Bereits beim Prolog verpokert sich der Vorjahresvierte Bradley Wiggins mit der Startnummer und verliert viel Zeit. Seine Form während der ganzen Tour ist ohnehin eher schwach. Frank Schleck und Christian Vandevelde stürzen auf der 3.Etappe (Kopfsteinpflaster) schwer und müssen das Rennen aufgeben. Die ehemaligen Tour Sieger Carlos Sastre und Lance Armstrong haben wohl ihren Leistungszenit überschritten. Sie spielen für die vorderen Plätze der Gesamtwertung keine Rolle mehr. Der Giro Sieger 2010 Ivan Basso ist, wie auch viele andere Teilnehmer des Giro de Italia, nicht in der Lage, seinen Leistungstand von dieser Rundfahrt zu konservieren und muss sich am Ende mit Platz 32 zufrieden geben. Alexandre Vinokourov ist sich wohl dieser Problematik bewusst und stellt sich voll in den Dienst seines Teamchefs Alberto Contador. Andreas Klöden kämpft mit gesundheitlichen Problemen und kann damit nicht an seine Leistung der vergangenen Jahre anknüpfen.

Der Weltmeister Cadel Evans hat sich für diese Tour viel vorgenommen, kämpft tapfer und kann nach der 8. Etappe - Bergankunft in Morzine-Avoriaz - das Gelbe Trikot übernehmen. Am nächsten Tag - nach der Abfahrt vom Col de la Madeleine - verliert er über 10 Minuten auf Frank Schleck. Erst am Abend wird bekannt gegeben, dass er mit einem gebrochenen Arm gefahren ist. Damit sind seine Chancen auf den Gesamtsieg dahin.

Einige "Geheimfavoriten" - wie David Millar, Levi Leipheimer und Damiano Cunego - können im Hinblick auf das Gelbe Trikot keine Akzente setzen.

Die grosse Spannung erhält diese Tour de France also aus dem Zweikampf zwischen Alberto Contador und Andy Schleck um den Sieg, und den Dreikampf zwischen Denis Menchov, Samuel Sanchez und Jürgen van den Broeck um Platz drei.

Im Prolog zeigt Alberto Contador seine ganze Klasse und kann Andy Schleck 42 Sekunden abnehmen. Auf der 2.Etappe stürzt Andy Schleck - wie viele andere Fahrer auch - recht heftig. Sein Team Saxobank versucht ihn wieder ans Hauptfeld heran zu fahren. Ob dies gelungen wäre, ist fraglich. Seinem Teamkollegen Fabian Cancellara, der an diesem Tag das Gelbe Trikot trägt, gelingt es aber, das Hauptfeld zum langsamen Fahren zu animieren. Dadurch verliert Andy Schleck keine Zeit auf die anderen Favoriten.

In den Alpen ist Andy Schleck im Vergleich zu Alberto Contador der etwas bessere Bergfahrer. Er kann auf der 8. und 9. Etappe einen Vorsprung von 51 Sekunden auf Alberto Contador herausfahren. Beide Helferteams - Saxobank und Astana - sind am Berg in etwa gleich stark.

Angesichts des Zeitfahrens am vorletzten Tourtag und der bekannten Zeitfahrstärke von Alberto Contador will Andy Schleck in den Pyrenäen versuchen, seinen Vorsprung noch auszubauen. Am letzten Anstieg der 15. Etappe nach Bagnères-de-Luchon greift er an. In diesem Moment fällt die Kette vom Zahnkranz und er tritt ins Leere. Vielleicht verschaltet er sich oder es liegt ein technisches Problem vor. Bis er die Kette wieder auflegen kann, vergeht fast eine Minute. Alberto Contador, Denis Menchov und Samuel Sanchez setzen ihre Fahrt fort und geben auf der Abfahrt richtig Gas. Andy Schleck setzt hinterher und verliert im Ziel 39 Sekunden auf seinen stärksten Konkurrenten.

Auf dem Schlussanstieg der Königsetappe hoch zum Col du Tourmalet versucht es Andy Schleck noch einmal. Er kann sich aber von Alberto Contador nicht lösen, d.h. er kann keine Zeit gewinnen. Im abschliessenden Zeitfahren hält er sich tapfer, verliert aber noch einmal 31 Sekunden auf den nun dreimaligen Tour de France Sieger Alberto Contador.

Auch Platz drei wird erst im Zeitfahren entschieden. Denis Menchov ist klar besser als der Goldmedaillengewinner Samuel Sanchez und als Jürgen van den Broeck. Er kann sich den 3. Platz auf dem Siegerpodest in Paris sichern.

Das Gepunktete Trikot

Die Bergwertung gewinnt überraschend der Franzose Anthony Charteau (Team BTL) vor seinem Landsmann Chistophe Moreau (Team GCE) und Andy Schleck.
Zuerst konnte Jerome Pineau auf den Bergen der 3ten und 4ten Kategorie viele Punkte sammeln. Sobald die Berge aber schwerer wurden, konnte Pineau nicht mehr mithalten und Charteau sammelte - eigentlich recht unbedrängt - sehr viele Bergpunkte. Der Angriff von Chistophe Moreau kam dann zu spät.

Das Grüne Trikot

Der Italiener Alessandro Petacchi (Team LAM) gewinnt die Punktewertung vor dem Engländer Mark Cavendish (Team THR) und dem Norweger Thor Hushovd (Team CTT).
Der Kampf ums Grüne Trikot verläuft sehr spannend und wird erst auf der Zielgeraden in Paris entschieden. Mark Cavendish ist zwar klar der schnellste Mann im Feld (5 Etappensiege), kann aber an den ersten Etappen - bedingt auch durch Stürze - keine Punkte gewinnen. Thor Hushovd ist der Meister der Zwischensprints, auch und gerade bei schweren Bergetappen, es fehlte ihm aber in den Massensprints an Endschnelligkeit. Alessandro Petacci gewinnt, als Cavendisch nicht mitsprinten kann, zwei Etappen und belegt danach in den grossen Sprints immer vordere Plätze. Das Grüne Trikot gewinnt also der ausgeglichenste Sprinter.

Das Weisse Trikot

Andy Schleck gewinnt das Weisse Trikot vor dem Niederländer Robert Gesink (Team RAB) und dem Tschechen Roman Kreuziger (Team LIQ). Alle drei haben um die Gesamtwertung gekämpft, einen direkten Wettbewerb um das Weisse Sondertrikot gab es also nicht.

Die Mannschaftswertung

Das Team RadioShack gewinnt vor Caisse D'Epargne und Rabobank. Das Team von Lance Armstrong musste sich letztlich mit diesem Trostpreis begnügen. Dass es dafür durchaus gekämpft hat, ist ihm hoch anzurechnen. Es verlaufen dadurch auch einige Etappen interessanter.
Das Team Milram belegt in dieser Sonderwertung den 22sten und damit letzten Platz. Dies mit einem Rückstand von über 6 Stunden.

 

 

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Die 97. Tour de France 2010:

Rennverlauf:

Platz 1 bis 3 und Trikotinhaber:
Prolog - Etappe 10
Etappe 11-20

Rennbericht

Endergebnis

Achtung: Ergebniskorrektur durch die Sperre von Alberto Contador.


 

Sylvain Chavanel

Der Franzose Sylvain Chavanel kann die die Hoffnungen seiner Landsleute erfüllen; er gewinnt zwei Etappen.

 

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